Unbezahlte Überstunden kosten den Staat Millionen

Überarbeitete Frau reibt sich die Augen. Symbolbild für unbezahlte Überstunden.
Jede vierte Überstunde bleibt unbezahlt, bei Frauen sogar jede dritte. Das kostet Arbeitnehmer:innen Milliarden. | © Adobe Stock/DimaBerlin
Das schadet nicht nur den Arbeitnehmer:innen, sondern auch dem Staatshaushalt: 2024 blieb jede vierte Überstunde unbezahlt. Die Arbeiterkammer drängt auf strengere Auflagen für Unternehmen.
Ein Online-Marketing-Manager hatte am Ende seines Dienstverhältnisses 268 Überstunden in seiner Arbeitszeitaufzeichnung stehen – im Wert von 8.000 Euro. Doch sein Arbeitgeber weigerte sich, diese zu bezahlen. Erst nach rechtlicher Unterstützung durch die Arbeiterkammer (AK) bekam er sein Geld. Solche Fälle sind keine Ausnahme. 2024 wurden in Österreich insgesamt 169 Millionen Mehr- und Überstunden geleistet. Ein Viertel davon – im Wert von 2,3 Milliarden Euro – blieb unbezahlt, also weder bezahlt noch mit Zeitausgleich abgegolten.

Verluste im doppelten Sinne

„Es geht hier um immense Summen, die Betriebe den Arbeitnehmer:innen, als auch dem Staat und der Sozialversicherung vorbehalten“, bringt es AK-Präsidentin Renate Anderl auf den Punkt. Den Arbeitnehmer:innen fehlten 2024 rund 1,2 Milliarden Euro an Nettoeinkommen, der Staat verlor rund 960 Millionen Euro an Einkommenssteuer. Der Sozialversicherung entging ein Beitrag von 330 Millionen Euro. Dabei würde mehr Geld im Börsel der Arbeitnehmer:innen der schwächelnden Wirtschaft helfen. Susanne Auer-Mayer, Vorständin des Instituts für Österreichisches und Europäisches Arbeitsrecht und Sozialrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien, erklärt: „Haben Arbeitnehmer:innen durch die geleisteten Überstunden mehr Entgelt zur Verfügung, führt dies zu erhöhtem Konsum. Der Staat generiert über die Mehrwertsteuer zusätzliche Mehreinnahmen.“

Frauen zahlen besonders drauf

Die Zahlungsmoral der Unternehmen hat in den vergangenen Jahren abgenommen, während Arbeitnehmer:innen weiterhin viele Überstunden leisten. Besonders Frauen sind davon betroffen. Während im Schnitt jede vierte Überstunde unbezahlt blieb, ist es bei Frauen sogar jede dritte. Obwohl Frauen insgesamt weniger Überstunden leisten, bekommen sie dafür überproportional oft weder Geld noch Freizeit. Das verstärkt den Gender Pay Gap zusätzlich. „Die Zahlungsmoral ist gegenüber Frauen noch schlechter als gegenüber Männern“, kritisiert Ines Stilling, Bereichsleiterin Soziales in der AK Wien.

Die AK plädiert für strengere Regeln, um unbezahlte Überstunden zu reduzieren und faire Bezahlung sicherzustellen. Dazu zählen eine verpflichtende Meldung der vereinbarten Arbeitszeiten bei der Sozialversicherung, strengere Kontrollen der Arbeitszeit durch das Arbeitsinspektorat und effektive Sanktionen für Unternehmen, wie etwa ein Strafzuschlag von 100 Prozent auf nicht gezahlte Überstunden. Arbeitnehmer:innen empfiehlt die AK zusätzlich eine schriftliche Arbeitszeitaufzeichnung. Wirtschaftsexpertin Auer-Mayer ergänzt: „Darüber hinaus könnte man überlegen, All-In-Vereinbarungen nur noch eingeschränkt zu erlauben.“ Das könnte unbezahlte Überstunden einschränken.

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Über den/die Autor:in

Sandra Gloning

Sandra Gloning ist freie Online- und Print-Journalistin in Wien mit einem breiten Themenfeld rund um Frauen, Lifestyle und Minderheiten und dem Ziel, Geschichten aus dem echten Leben zu erzählen.

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