Von allen Institutionen vertraut die Generation Z der Arbeiterkammer am meisten. Auf einem guten fünften Platz folgt der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB). Zu diesem Ergebnis kommt die Jugendstudie des Österreichischen Instituts für Jugendkulturforschung und des Jugendmarktforschungsinstituts tfactory. Der Politik hingegen begegnen die 16- bis 29-Jährigen eher mit Misstrauen.
Wem vertraut die Generation Z?
Die Zahlen sind dabei eindeutig. 56,1 Prozent der befragten Jugendlichen aus der Generation Z vertrauen der Arbeiterkammer. Beim ÖGB sind es 40,1 Prozent. Wirklich bemerkenswert ist an dem Ergebnis, dass Arbeiterkammer und ÖGB gleichzeitig die geringsten Misstrauenswerte aller Institutionen haben. Polizei, Wirtschaftskammer und Bundesheer kommen auch auf gute Vertrauenswerte. Allerdings steht jeweils etwa ein Drittel der Jugendlichen diesen Einrichtungen misstrauisch gegenüber.
Richard Tiefenbacher ist Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Er erklärt dieses herausragende Ergebnis gegenüber Arbeit&Wirtschaft: „Hunderte Jugendvertrauensrät:innen in ganz Österreich beweisen tagtäglich, wie wichtig ihre Arbeit und ihre Mitbestimmung im Betrieb ist. Sie setzen sich für bessere Ausbildungsbedingungen ein. Sie sind erste Ansprechpartner:in für die jungen Mitarbeiter:innen und können Konflikte abfangen, bevor sie entstehen.“
Vertrauen der Generation Z muss man sich erarbeiten
Dass es vor allem die Vertretungen der Arbeitnehmer:innen sind, denen Jugendliche ihr Vertrauen schenken, wundert ihn nicht. „Gerade bei einer Generation Z, die sich den Spruch ‚Arbeiten, um zu leben – und nicht leben, um zu arbeiten‘ zum Lebensmotto gemacht hat und bei der vor allem eine gute Arbeitsatmosphäre, Work-Life-Balance und gute Vorgesetzte hoch im Kurs liegen, ist Mitbestimmung wichtiger denn je.“ Dies sind eben Werte, für die Gewerkschaften und Arbeiterkammer tagtäglich einstehen.
Andere Institutionen kommen bei der Umfrage nicht so gut weg. Vor allem Politiker:innen spüren das Misstrauen. Gerade einmal jeder fünfte Jugendliche vertraut der aktuellen Bundesregierung. Weiter ist das Misstrauen besonders hoch. Mit 57,3 Prozent misstrauen ihnen weit mehr als die Hälfte der Befragten. Sogar noch deutlicher ist das Ergebnis bei den Parteien. Ihnen gegenüber hegen fast zwei Drittel aktives Misstrauen. Einen ähnlich schlechten Wert erreichen sonst nur noch die Medien.
Religionen und Politik verlieren stark an Vertrauen
Bei der Präsentation weist das Institut für Jugendkulturforschung noch auf eine weitere Besonderheit hin. So habe es noch keine Zeit gegeben, in der die Jugend so distanziert zur Religion gewesen sei. Derzeit durchleben Jugendliche eine Krise nach der anderen. Weil die Klimakatastrophe ihre Zukunft und die Corona-Pandemie die Gegenwart bedroht. Außerdem müssen sie einen Krieg in der Ukraine verarbeiten. Religionen haben dafür keine passenden Lösungen.
Über 54 Prozent schenken der Katholischen Kirche kein Vertrauen. Bei der Evangelischen Kirche sind es 49 Prozent und bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft immer noch 47 Prozent. Vor allem Frauen seien es, die den Religionen kritisch gegenüberstehen, führt die Studie aus. Die Religionsgemeinschaften hätten bei der Jugend verspielt, weil sie belehrend statt dialogorientiert seien. Dazu würden sie sich als zu wenig adaptionsfähig erweisen und ästhetisch unzulänglich kommunizieren, so das Institut. Durch eine weltfremde Wort- und Bildsprache würden die Religionen die Anschlussfähigkeit an die Jugendkultur verlieren.
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Der Jugend eine Stimme geben
Das Vertrauen wollen Arbeiterkammer und ÖGB auch zurückzahlen. Auf der 177. Vollversammlung gab die Arbeiterkammer der Generation Z eine Stimme. Unter dem Titel „Jugend verdient Respekt“ haben sie ihre Probleme erläutert und Lösungen dargelegt. Das ist notwendig. Denn die Corona-Pandemie hat offengelegt, wie wenig Gehör Jugendliche bei der Politik finden.