Arbeitsmigration aus Österreich

Die Republik Österreich förderte ab 1925 vorsichtig die Arbeitsmigration als Maßnahme gegen die dann durchgehend hohe und ab der Weltwirtschaftskrise 1929 weiter zunehmende Arbeitslosigkeit.

Die Arbeiterkammer – und damit auch die ihre Politik bestimmenden Gewerkschaftsorganisationen – unterstützten die Regierungslinie. Die AK warnte aber davor, die verzweifelten Menschen direkt oder indirekt zur Auswanderung zu zwingen. Sie schrieb an das Bundeskanzleramt:

Die Kammer lehnt selbstverständlich jede Maßregel, welche die Arbeitslosen zur Auswanderung zwingen wollte, unbedingt ab. Aber sie ist dafür, dass es eine der wichtigsten Aufgaben der österreichischen Politik sein muss, denjenigen Arbeitslosen, die auswandern wollen, die Möglichkeit dazu zu schaffen.

Viele der Jobsuchenden verließen Europa, von 1921 bis 1937 insgesamt 75.000, die Zahl der österreichischen Migrantinnen und Migranten innerhalb Europas ist dagegen nicht genau feststellbar. Eine Zeitung beschrieb 1927, wo überall in diesem Jahr die Migrantinnen und Migranten außer in Deutschland lebten und arbeiteten:

(Es) sind in den letzten Jahren … einige tausend Industriearbeiter … nach Frankreich, Belgien und Luxemburg gezogen. … Österreichische Techniker, Ingenieure, Werkmeister, Monteure und Mineure sind seit Jahr und Tag … beim Bau der Bahnlinien, Fabriken und Stadtanlagen beteiligt, die … die jungtürkische Regierung erstehen lässt.

In England waren Österreicherinnen als Dienstbotinnen sehr gefragt, weil nur mehr wenige einheimische Frauen ihr Geld als Hausangestellte verdienen wollten. Von solchen speziellen Nachfragesituationen abgesehen, machten aber fast alle Staaten angesichts der eigenen Probleme mit der Arbeitslosigkeit ihre Grenzen dicht.

Nur Frankreich entschied sich zunächst für eine andere Vorgangsweise: Dort warb man offensiv um Zuwanderer, 3.000 bis 5.000 ÖsterreicherInnen befanden sich jährlich unter ihnen.
Als Folge der Weltwirtschaftskrise ging der Bedarf in den Einwanderungsländern ab 1930 fast vollständig zurück und außerdem bekamen die AuslandsösterreicherInnen die Ablehnung der ab 1933/34 herrschenden austrofaschistischen Diktatur durch ihre Gastländer zu spüren. Sie verloren vielfach die Arbeitslosenunterstützung und wurden heimgeschickt.
Aus der Sowjetunion drängten viele dort tätige österreichische Spezialisten selbst zurück. Hier bestand zusätzlich … wachsender Druck der Sowjetbehörden auf … ausländische Spezialisten, die Sowjetbürgerschaft anzunehmen, wie der Staatsgewerkschaftsbund des Ständestaat-Regimes berichtete.
Andererseits setzte mit dem Verbot von Sozialdemokratie und KommunistInnen und der Freien Gewerkschaften eine auch politisch motivierte neue Migrationswelle ein.
Ihr folgte 1938 die große Flucht vor dem nationalsozialistischen Terror, die vielfach ohne ausländische Arbeitserlaubnis scheitern musste.

Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at

Von Brigitte Pellar

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Arbeit&Wirtschaft 03/13.

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